„Ich weiß, wie ich dich überlisten kann!“ – Getestete Manipulationstechniken (3/5)

Veröffentlicht: Januar 2, 2016 in Übersetzungen, Internet, Meinungen, Social-Media, Wirtschaft

Wie kann ich im Internet beliebt werden?

„Der Schlüssel zur Überredungskunst im Netz ist jener, indem man eine zielgruppengerechte Sprache und deren Kommunikationskanäle nutzt“

Christopher Hans hat Übergewicht, hat die Schule nicht beendet, hat keine Arbeit und keine Freundin – auf den ersten Blick scheint er, wie die meisten ihn klassisch beschreiben würden, ein Versager. Jedoch ein Klick genügte, damit sich das Leben des 21-jährigen änderte. Im Mai 2015 veröffentlicht er auf seiner Facebook-Seite ein Video. Er berichtet dort über wenig relevante Dinge über sein Alltagsleben, am Ende seines 23 Sekunden Clips fällt ein Mem-Slogan des zukünftigen Social-Media-Stars – „so true“. Der Clip wurde über 20 000 Mal aufgerufen, seine Facebook-Gruppe erreichte über 380 000 Fans. Es folgten die nächsten Aufnahmen: Christpher raucht Zigaretten, freut sich übers Wochenende, mäht den Rasen. Seine Filmchen schauen bereits über 1,5 Millionen User. Aber wie gelang es ihm so viele Fans zu bekommen? Was ist das Geheimnis der digitalen Überredungskunst? Welche Spielregeln sind wichtig,um das Internet für sich zu gewinnen?

Nathalie Nahai, die im Bereich Verhaltenspsychologie im Internet tätig ist, beobachtet schon seit Jahren Techniken, die soziale Medien, wie Facebook oder Instagram, anwenden, um Beliebtheit zu erlangen. Sie ist davon überzeugt: nur diejenigen, die – bewwusst oder unbewusst – die Regeln der Online-Rhethorik beachten, können Erfolg bringen oder als Kunden gewonnen werden.

Regel Nr. 1 – lerne deine Zielgruppe kennen

Christopher Hans greift Alltagsthemen auf und spricht somit seine Altersgruppe an, er redet wie ein Kumpel, indem er Slogans verwendet, er pflegt seine Wiedererkennungsmerkmale – also wiederholt er oft seinen Spruch „so true“ „In der Online-Rhethorik spielen meistens Empathie und und das Zusammengehörigkeitsgefühl eine bedeutende Rolle“, erklärt Nathalie Nahai.

Regel Nr. 2 – kommuniziere überzeugend

Laut Nahai ist eines der Kommunikationselemente das Benutzen der Fan- oder Kundensprache – und Hans macht das, indem er im Jugendjargon kommuniziert. Dies bestätigt ebenfalls Thomas Kneiper, Kommunikationsspezialist auf der Universität Passau: „Das Repertoire von Hans reicht von Hashtags bis hin zu kolloquialen Anglizismen.

Regel Nr. 3 – sei authentisch

In den Aufnahmen von Hans sind tatsächlich keine Kulissen zu sehen, er verkleidet sich nicht, er redet immer was ihm gerade so durch den Kopf geht. Das Resultat der Authentizität: „Ich wäre gern so cool, wie du“, schreiben ihm viele seiner Fans in den Kommentaren. Gegenwärtig freut sich der Facebook-Star, doch wird sich jemand noch in einem Jahr an ihn erinnern können? „Dies hängt von ihm ganz alleine ab“, meint der Hamburger Medienforscher Jan-Hinrik Schmidt, „Es kann sein, dass das Publikum sich zu interessieren aufhört – dies wird passieren, wenn er sich die ganze Zeit an dasselbe Schema hält: zuerst sagt er irgendwas, damit er seinen Monolog mit ’so true‘ beendet.“

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